Staub Staub
going home
tape
CD (1998)
xxs 004/Indigo CD 8563-2
Staubfoto

In Ulm und um Ulm sitzen Leute herum, werden älter und fangen ganz langsam an, sich für Country-Musik zu interessieren. Alles eine Frage der Zeit, sagten sich auch Staub, lehnten sich zurück und warteten erst einmal paar Jahre ab... Dann, ein Lebenszeichen und die erste und alles entscheidene Frage: "Would you come with me", und bevor einem das Fragezeichen in den Sinn kommt, ist man auch schon mittendrin. Ein Entrinnen gibt es nicht, denn Staub spielen langsamer als ihr Namensgeber fällt. Dabei wickeln sie dich ein in ihren superslowen Flow aus zartbesaitetem Country-Doom und spooky Late-Nite-Twang. "Half", die, ähm, up-tempo-Nummer der Platte, wirkt da schon wie Sonic Youth auf Mescalin. Und aus Fleetwood Macs "Tell me lies" knüpfen Staub mit aller Liebe einen kinderarmdicken Strick für die Lynchjustiz um zwöf Uhr Mittags. Da darf natürlich Hank Williams, der Meister des long gone lonesome blues, nicht fehlen. Die Staub-, pardon, trockenen Versionen von "Nobody's lonesome...", "Your cheatin' heart" und "Crazy Heart" brechen selbst die Herzen der stolzesten Barflies. Und wenn man meint, alles gehört zu haben, geht's am Schluß immer noch weiter. "It's a satanic jazz thang you wouldn't understand" scheinen Staub dann allen Puristen zuzurufen und wir denken, ja, danke, wunderbar, bitte nie mehr aufhören und mit "Money", dem Song mit dem längsten Schluß der Welt, geht dieser Wunsch auch beinahe in Erfüllung. Ja, das Warten hat sich für Staub tatsächlich gelohnt. Und wenn eben noch vom Flow die Rede war, kommt das nicht von ungefähr. Henrik von Holtum leitet sonst als MC Textor von Kinderzimmer Productions den Redefluß ins deutsche HipHop-Wohnzimmer. Und Gerhard Kutter gab schon 1995 mit den famosen EZ-Listening-Pionieren Los Vegas den Lonesome Man. Nur Schlagzeuger Harald Arnolds (ex-Gwen Stacey) schweigt zu seiner Verganhenheit. Noch darf gemunkelt werden, wo er zwischen seinen gestrichenen Beats sonst noch spielt: Smog? Saint Vitus? Souled American...? Mit letzteren haben Staub schon mal im battle of the slowest auf der Bühne gestanden und 1998 durften sie sogar Dr John auf dessen Deutschland-Tour begleiten. Ein Jahr später erschien ein erster Staub-Remix: die Hamburger Acid-Jazzer disJam nahmen sich für den Lounge-Sampler "Lonesome Man" an. Das Ergebnis: Country-House.