|
In
Ulm und um Ulm sitzen Leute herum, werden älter und fangen ganz
langsam an, sich für Country-Musik zu interessieren. Alles eine
Frage der Zeit, sagten sich auch Staub, lehnten sich zurück und
warteten erst einmal paar Jahre ab... Dann, ein Lebenszeichen und die
erste und alles entscheidene Frage: "Would you come with me",
und bevor einem das Fragezeichen in den Sinn kommt, ist man auch schon
mittendrin. Ein Entrinnen gibt es nicht, denn Staub spielen langsamer
als ihr Namensgeber fällt. Dabei wickeln sie dich ein in ihren
superslowen Flow aus zartbesaitetem Country-Doom und spooky
Late-Nite-Twang. "Half", die, ähm, up-tempo-Nummer der
Platte, wirkt da schon wie Sonic Youth auf Mescalin. Und aus Fleetwood
Macs "Tell me lies" knüpfen Staub mit aller Liebe einen
kinderarmdicken Strick für die Lynchjustiz um zwöf Uhr
Mittags. Da darf natürlich Hank Williams, der Meister des long gone
lonesome blues, nicht fehlen. Die Staub-, pardon, trockenen Versionen
von "Nobody's lonesome...", "Your cheatin' heart"
und "Crazy Heart" brechen selbst die Herzen der stolzesten
Barflies. Und wenn man meint, alles gehört zu haben, geht's am
Schluß immer noch weiter. "It's a satanic jazz thang you
wouldn't understand" scheinen Staub dann allen Puristen zuzurufen
und wir denken, ja, danke, wunderbar, bitte nie mehr aufhören und
mit "Money", dem Song mit dem längsten Schluß der
Welt, geht dieser Wunsch auch beinahe in Erfüllung. Ja, das Warten
hat sich für Staub tatsächlich gelohnt. Und wenn eben noch vom
Flow die Rede war, kommt das nicht von ungefähr. Henrik von Holtum
leitet sonst als MC Textor von Kinderzimmer Productions den Redefluß
ins deutsche HipHop-Wohnzimmer. Und Gerhard Kutter gab schon 1995 mit
den famosen EZ-Listening-Pionieren Los Vegas den Lonesome Man. Nur
Schlagzeuger Harald Arnolds (ex-Gwen Stacey) schweigt zu seiner
Verganhenheit. Noch darf gemunkelt werden, wo er zwischen seinen
gestrichenen Beats sonst noch spielt: Smog? Saint Vitus? Souled
American...? Mit letzteren haben Staub schon mal im battle of the
slowest auf der Bühne gestanden und 1998 durften sie sogar Dr John
auf dessen Deutschland-Tour begleiten. Ein Jahr später erschien ein
erster Staub-Remix: die Hamburger Acid-Jazzer disJam nahmen sich für
den Lounge-Sampler "Lonesome Man" an. Das Ergebnis:
Country-House. |