to the darkened corners here we go missouri
Missour
to the darkened corners here we go
CD (2002)
xxs 018

going home
Missouri unterwegs: "To the darkened corners here we go", der Titel des zweiten Albums des Nürnberg/Hamburger Trios verspricht einen Aufbruch ins Ungewisse. Die dunklen Ecken gilt es aufzuspüren, die Ecken, in denen lange niemand mehr war, von denen wir jedoch ahnen, dass sie einst vom Licht durchflutet waren. Die Erinnerung beginnt mit einer taghellen Erkenntnis: "Someday even I will stop breathing" lässt das Unausweichliche als Trost erscheinen. Es gibt kein Licht ohne Schatten, keine Lust ohne Schmerz. "In my eyes the singer must suffer" - stellvertretend für sich und für uns. Missouri verstanden sich gemessen an der Konsequenz ihres musikalischen Vortrags immer schon als Punks im weiteren Sinne. So gesehen haben die drei hier ihr Soul-Album vorgelegt. Die Stimmung ist beschwingter, die Instrumentierung abwechslungsreicher, die Songs kompakter. Und natürlich geht es um Liebe, Leid und grenzenlosen Übermut. "Every day I write the book" sang Elvis Costello einst und hätte es doch eigentlich wissen müssen: Schreiben und Verliebtsein verträgt sich nicht. Missouri ordnen die Prioritäten neu, im schönsten Liebeslied des Albums "Today your love tomorrow the book": "When I was 16 I said I'll write a book before I'm 24, now I'm 27 and I can still write a book before I'm 34". Ist das nun inkonsequent oder einfach souverän? Missouri sind auch unterwegs um uns über Lücken im alltäglichen Denken aufzuklären. Über Zusammenhänge von Humor und Tragik ("Stand up, comedian") oder die Verkettung von Bars und Liebeskummer, Liebeskummer und Bars. ("Bars united"). Denn wie das Leben hat auch dieses Album zwei Seiten, eine helle und eine dunkle. Glich Missouris erstes Album vielleicht einer Diashow des Polanski-Films "Chinatown", so ist "To the darkened corners here we go" das musikalische Pendant zu Roberto Rodriguez' "From Dusk Till Dawn": ein Roadmovie führt uns geradewegs in einen Vampir-Splatterfilm. "To the darkened corners here we go" wurde aufgenommen im bandeigenen "Lone Star Recording Studio". Nicht ohne: Dani Iosello und Tim Hurley (Califone, Sin Ropas) als Frühstücksgäste auf "Today your love ..." und Oliver Stangl an der Pedal Steel auf "Oh, Pa" und "Bars united".
"Mit seinem dritten Langwerk kann Deutschlands bester Beitrag zum postmodernen Slowmotion-Lowfi-Rock ohne Verrenkungen einen weiteren Qualitätsgipfel erklimmen. ... Missouris dunkle Klangbilder entfalten nach ganz kurzer Eingewöhnungsphase einen unwiederstehlichen Sog, wobei es kein Zufall ist, dass die längsten Songs auch die besten sind." (TIP Berlin)