Missouri unterwegs: "To the darkened
corners here we go", der Titel des zweiten Albums des Nürnberg/Hamburger
Trios verspricht einen Aufbruch ins Ungewisse. Die dunklen Ecken gilt es
aufzuspüren, die Ecken, in denen lange niemand mehr war, von denen
wir jedoch ahnen, dass sie einst vom Licht durchflutet waren. Die
Erinnerung beginnt mit einer taghellen Erkenntnis: "Someday even I
will stop breathing" lässt das Unausweichliche als Trost
erscheinen. Es gibt kein Licht ohne Schatten, keine Lust ohne Schmerz. "In
my eyes the singer must suffer" - stellvertretend für sich und
für uns. Missouri verstanden sich gemessen an der Konsequenz ihres
musikalischen Vortrags immer schon als Punks im weiteren Sinne. So
gesehen haben die drei hier ihr Soul-Album vorgelegt. Die Stimmung ist
beschwingter, die Instrumentierung abwechslungsreicher, die Songs
kompakter. Und natürlich geht es um Liebe, Leid und grenzenlosen Übermut.
"Every day I write the book" sang Elvis Costello einst und hätte
es doch eigentlich wissen müssen: Schreiben und Verliebtsein verträgt
sich nicht. Missouri ordnen die Prioritäten neu, im schönsten
Liebeslied des Albums "Today your love tomorrow the book": "When
I was 16 I said I'll write a book before I'm 24, now I'm 27 and I can
still write a book before I'm 34". Ist das nun inkonsequent oder
einfach souverän? Missouri sind auch unterwegs um uns über Lücken
im alltäglichen Denken aufzuklären. Über Zusammenhänge
von Humor und Tragik ("Stand up, comedian") oder die
Verkettung von Bars und Liebeskummer, Liebeskummer und Bars. ("Bars
united"). Denn wie das Leben hat auch dieses Album zwei Seiten,
eine helle und eine dunkle. Glich Missouris erstes Album vielleicht
einer Diashow des Polanski-Films "Chinatown", so ist "To
the darkened corners here we go" das musikalische Pendant zu
Roberto Rodriguez' "From Dusk Till Dawn": ein Roadmovie führt
uns geradewegs in einen Vampir-Splatterfilm. "To the darkened
corners here we go" wurde aufgenommen im bandeigenen "Lone
Star Recording Studio". Nicht ohne: Dani Iosello und Tim Hurley
(Califone, Sin Ropas) als Frühstücksgäste auf "Today
your love ..." und Oliver Stangl an der Pedal Steel auf "Oh,
Pa" und "Bars united".
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