{it's a glow-in-the-dark good time} missouri
Missour
it's a glow-in-the-dark good time
CD (2000)
xxs 011/Indigo CD 9468-2 / LP -1 (220 g Vinyl)
going home
Missouri weites Land. Irgendwo da drüben, am Fluss, in der Mitte. Kennen wir. Aus großen Filmen und sentimentalen Schlagern: "Duell am Missouri" oder "Across the wide Missouri". Schon klar, wo's lang geht: endlose Breiten und Weiten, in tosender Stille... nun, nicht ganz.
„It’s a glow-in-the-dark good time“ verspricht dieses Album als wolle es uns bitten am Lagerfeuer Platz zu nehmen. Musik im ruhigen Strom, traurig und gottverlassen und dabei so warm wie ein Sack glühender Kohlen. Doch kündet ein eigentümlich schöner Gesang prosaisch von eher bitteren Wahrheiten: „Now we’re too old for sex and parties“. Bohemehafte Großstadtlyrik im Tempo einer ruhigen Landpartie, Nachbarinnen-Voyeurismus in Slow-Motion - nie waren sich The Smiths und Souled American so nahe. Willkommen also in Missouri! Seit drei Singles gibt es Missouri nun schon, die jetzige Konstellation mit Red (Voc., Git., Harmonium), Frank Mollena (Git, Org., Rhodes) und Christian Ebert (Org., Synth.) ist endgültig. Für’s erste. Minimalisten wie sie, sind weniger auf einen Schlagzeuger als auf Effektivität angewiesen oder wie Red empfiehlt: "You don't have to pray, just watch your priorities from time to time". Nicht selten fällt die Bezeichnung "Ambient-Gospel" für das Schaffen der drei Nürnberger. Ein ebenso schöner, wie widersprüchlicher Begriff. Vermengt er doch das künstlich Kalkulierte mit dem organisch Gewachsenen, alte Elektro-Orgeln mit countryesker Romantik. Nur so kann es lodern, das Feuer. Doch neben aller sakralen Entspannung lassen die Texte Raum für Alltag. „Home, what is it good for?“ lautet gleich zu Beginn die Frage und man weiß, dass hiermit durchaus auch die Langeweile eines Samstag-Abends in einer Nürnberger Mietwohnung gemeint sein kann. So sind Missouri keine Traditionalisten im Sinne einer Aneignung fremder Authentizität. Nürnberg ist nicht Nashville, das wissen sie, und wenn sie drüben dennoch etwas Altes finden, reagieren Missouri mit Respekt. „Missouri plays ´A traditional´“ nennen sie den Song dann, wissend, das ihn vorher schon tausende gespielt haben. Beim Rückgriff auf Tradition hinterfragen Missouri die eigene Einstellung immer zuerst. Auf ihrer '99er Weihnachtssingle hieß es flehentlich: „Santa, I never spoke to you, I don’t even believe in you, but this time it’s serious.“ Drüben, im Staatenbund ihres Namensgebers, haben Missouri bereits einige Gläubige gefunden. Granfaloon Bus sind große Fans, und nach der gemeinsamen Split-Single mit der Band aus San Francisco traf man sich im Juli 2000 zu einer gemeinsamen USA-Kurz-Tour.
"In der Fixierung auf den reinen Klang liegt (...) bei Missouri eine gewisse Nähe zu freien Jazzformen. Seltsam, wie ungewohnt eine Elektrogitarre im Zeitalter virtueller Musikwelten noch klingen kann. Wie etwa auch die amerikanische Gruppe "Souled American" verzichten die drei Nürnberger auf ein Schlagzeug, erzeugen ihre schwebende Musik stattdessen mit zwei Giatarren, Orgel und Synthesizer. (...) hier wird die Langsamkeit der Musik zum Eigentlichen, zur subjektiven Essenz dessen, was die Geschichte der populären Musik Amerikas seit Blues, Folk und Country bereitgestellt hat." (F.A.Z.)
"Überraschend und sehr schön" (Prinz)
"Wärmstens zu empfehlen" (Westzeit)
"Schleichender Country-Ambient zum tiefen Einatmen" (Szene Hamburg)
"... unverblümte Wahrheiten des Alltags" (Wom-Journal)