Am 7. November 1996 fand im
Knust die Veranstaltung "There's a tear in my Beck's" statt.
Eine Handvoll Hamburger Musiker schwänzte an diesem Abend die
Schule, um sich ihrem Lieblingsthema zu widmen: Die Volksmusik der weißen
Landbevölkerung in den USA des 20. Jahrhunderts. Dem waren Monate
erbitterter Diskurse vorausgegangen: Was ist der schönste Song der
Louvin Brothers? Wo kauf ich meine Western- Hemden? War Dylan jemals
Country?
Mit "13 Golden Kantrie Greats" war das Zwischenzeugnis dieser
Bemühungen im Dienste des guten Songs. War, denn der Sampler ist
seit langem ausverkauft.
Peta Devlin spielt normalerweise den Baß bei Die Braut Haut Ins
Auge. Dort ist sie das gute Country-Gewissen, darf allerdings viel zu
selten singen. Deshalb hat sie sich jetzt mit Eckhard Heins an der Geige
und Thomas Wenzel an der Gitarre selbständig gemacht. Die drei
waren die Stars an diesem Abend, man hat gestandene Männer weinen
sehen. Peta singt auf dieser Platte zwei Traditionals, den dritten Song,
Mississippi John Hurts "Spike Driver's Blues", hat sie, da sie
das Dilemma als Bassistin selber kennt, Thomas Wenzel singen lassen. Wäre
Hamburg ein Berg, Fink kämen von ganz weit oben. Denn Hauke Evers
(ex-Baby, ex-Huah!), Nils Koppruch und Thorsten Carstens (beide ehemals
Tex Fury and the Silver Spurs) erinnern an Hillbillies in den
Honky-Tonks der Großstadt. Das meinten auch schon Lambchop und 16
Horsepower, als sie die drei letztes Jahr trafen und trotzdem kein Wort
verstanden: amerikanische Country Musik mit deutschsprachigen Texten.
Geht das? Ja. Denn Finks Zuhause ist nicht die Autobahn. Stattdessen
reimen sie lieber ,,Herz" auf ,,Holz" oder stellen mit
verhaltener Distanz Beobachtungen über die tragischen
Unwegsamkeiten urbanen Lebens an. Darum sind sie einzigartig und werden
dann von Menschen in Meldorf mit Hannes Wader verwechselt. Aber was
wissen schon Menschen in Meldorf? Hier spielen sie mit Aushilfsbassisten
Matthias Reth "Vielleicht" und "Herz aus Holz". Bei
letzterem werden sie kongenial von Bernadette Hengst am Akordeon
begleitet. Die Love Manitous wurden 1995 von Wolfgang Geise und Jan Apel
gegründet. Zwei, die sich fanden: was Wolfgang zum Crooner fehlt,
gleicht Jan durch stilsicheres Auftreten aus. Doch beiden war schnell
klar, daß es die Everly Brothers schon vor ihnen gab. Da kam
Kerstin Holzwarth als Sängerin gerade recht. Ein mutiger Schritt -
denn wer will schon was mit zwei Jungs zu tun haben, die vornehmlich
Songs alter Säcke nachspielen? Kerstin wollte. Zusammen klingen sie
jetzt wie die Carter-Family. Das Repertoire reicht in der Regel von Neil
über Roy bis Van und natürlich von Hank über Hank bis
Hank. Hier interpretieren sie mit "All My Sorrows" einen Song
des Kingston Trios in der Version der Searchers und "If I Could
Only Win Your Love" von den Louvin Brothers in der Version von
Emmylou Harris. Die 1/2 Couch war einmal eine ganze. Das ist lange her
und so ganz genau erinnert sich niemand. Jedensfalls landete ein Teil
auf dem Sperrmüll der Geschichte, der andere in einer Ecke der
Freien Garage. Jürgen Weiss, Klaus Sieg und Matthias Wagner
richteten es sich auf ihrer 1/2 Couch jedoch recht eigentümlich
zwischen Steelguitar, Standschlagzeug, einem Surfbrett und einer alten
Musiktruhe ein. Hektik ist ihnen fremd, Supports für beispielsweise
Penelope Houston folgten Monate des Nichts. Doch erst gerade haben die
Space-Cowboys ihre erste Single veröffentlicht. "Goldwing"
ist ein Stück davon. Freewheelin' Knarf Rellöm - Wer kennt ihn
nicht? Ob im Fernsehen, im Funk oder auf der Bühne. Er liebt die
heiteren Rollen, aber auch das Ernste ist ihm nicht fremd. Vom Meister
der Improvisation existieren nur wenige Aufnahmen, die nicht von
prosaischen Einschüben geziert sind. Dies ist eine dieser seltenen
Aufnahmen. Mit Huah! war er der Hausmeister der Hamburger Schule, nun
lebt Knarf Rellöm seine Vorliebe für Dylan aus. Mit "Nur
nicht so schnell", einem Song von seinem im Jahre 2013
erscheinenden Debüt, steuert er ein "schönes New-Wave-Stück
an einem Country-Abend" bei. Hank McCoy, der Cowboy, der so einiges
ins Rollen brachte, genießt in Hamburg Kultstatus, obwohl er in Köln
lebt. Vormals kam er aus Mobile, Alabama und Columbus, Ohio. Nahm dort
mit den Dead Ringers drei klasse Country-Platten auf, von denen auch
seine ersten beiden Songs auf dieser Platte stammen. Eines Tages fand er
sich mit den OKra-All-Stars sogar im ,,Spiegel" wieder, ließ
sich dennoch davon nicht blenden und schrieb stattdessen Burrito-Rezepte
für Fanzines. Er kennt daher das Geheimnis des Kreuzkümmels
und liebt das Kursbuch der Deutschen Bahn AG. So war er gerade mit Peta
Devlin auf einer Kurz-Tour. Zusammen singen sie "When I Stop
Dreaming", einen Song der Louvin Brothers. |