| Neun
Songs von Erhard und Missouri,
neunmal Straubing - Nürnberg und zurück, neunmal die
Frage: wer singt hier eigentlich mit wem? Als Projekt einmalig, wirft
diese CD doch verhältnismäßig viele Fragen
auf. Erhard Grundl sollte Eingeweihten noch als Sänger von Baby You Know
bekannt sein, die in den 90er Jahren mit viereinhalb Longplayern und
als Live-Band von Robert Forster zu nationalen Ehren kam. Nach einer
1999 selbstveröffentlichten Single (feat.u.a. Robert Forster)
begab sich Erhard für sein Solo-Longplay-Debüt
letztes Jahr auf die Suche nach einer geeigneten Band. Er fand sie in
Missouri. Die drei Nürnberger, die justament bei xxs ihr
Debüt vorlegten, versprachen musikalisch alles umzusetzen, was
Erhard ihnen an Songs auftrug. Peu à peu entstand so ein
Album, welches zweifellos ein neues, glanzvolles Kapitel hiesiger
Songwriterkunst aufschlägt. Traditionell anmutende Inhalte
treffen auf ein semi-elektronisches Instrumentarium, cooler Slow-Fi auf
eine selbstbewusste Stimme, die "einprägsam" zu nennen eine
wohlfeile Untertreibung wär. Songs wie "Oh Emily", "Columbia"
oder "Down to the river" zeugen vom future sound of americana,
sozusagen straight out of Bavaria. Ansonsten
lässt "This Is Not Our Scene" jede Verortung offen.
Ähnlich wie Missouri ihre Musik als Punk mit anderen,
nämlich langsamen Mitteln verstehen, so weiß auch
Erhard Grundl um die Möglichkeit der gut plazierten Kopfnuss
(auch wenn dafür schon mal ein bayerischer Filmemacher
hinhalten muss). Eine trotzige Verweigerungshaltung, aus der sich
wunderbar befreit musizieren lässt, eine altgediente Liebe,
die keine Abgrenzungskämpfe mehr nötig hat. Diese Art
der gewollten Bezugslosigkeit überwindet den Stillstand und
führt zur Festigung der eigenen Position. Das wusste schon Bob
Dylan, dessen "You ain't goin' nowhere" kongenialen Zuspruch
erfährt, aber auch Lou Reeds Velvet Undergound, deren "Run,
run, run" sich hier zu einem kleinen Marathon auswächst. Die
übrigen sieben Songs sind home made, soll heißen:
Erhard fuhr Sonntags mit einer Songidee zu Missouri nach
Nürnberg und kam Montag morgens mit einem fertig eingespielten
Song nach Straubing zurück. So etwas nennt man wohl blindes
Verständnis. Und Vertrauen: denn neben Erhards Stimme und
seinen Songs beeindrucken auch die drei Slow-Fi-Helden von Missouri,
die hier mal so richtig aufspielen können (ohne sich freilich
dafür krumme zu machen: wir wissen: they are still glowing). |